Kleine Zappelphilippe profitieren von kombinierter TherapieDGKJP: 80 Prozent der Kinder mit ADHS kann geholfen werden
Den Ärzten steht ein ganzes Bündel an Maßnahmen zur Verfügung, mit denen die belastenden Situationen in Elternhaus, Kindergarten oder Schule entspannt werden können. Bei vier von fünf Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) lassen sich mit so genannten multimodalen Behandlungsansätzen Symptome wie Unruhe oder Konzentrationsschwäche günstig beeinflussen. "Bei etwa 60 Prozent der Patienten können die Beschwerden jetzt sogar weitgehend beseitigt werden", erklärt Professor Manfred Döpfner (DGKJP) aus Köln. Voraussetzung hierfür ist eine kombinierte Therapie, die das soziale und schulische Umfeld einbezieht. Dazu gehört die umfassende Aufklärung der Familie. Döpfner: "Wenn die Eltern verstehen, warum ihr Kind sich so verhält, und auch das Kind begreift, weshalb es im Unterricht nicht still sitzen kann, ist schon viel gewonnen." Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
ADHS wurde vor über 150 Jahren von dem Frankfurter Kinderarzt Heinrich Hoffmann erstmals beschrieben und in der Geschichte vom Zappelphilipp eindrucksvoll illustriert. Die DGKJP schätzt, dass jedes zehnte Kind in Deutschland auffällige Symptome aufweist und jedes zwanzigste therapiebedürftig ist. "In jeder Schulklasse gibt es ein bis zwei Kinder mit ADHS", erklärt Manfred Döpfner. Das Krankheitsbild - oft auch bezeichnet als Hyperkinetisches Syndrom (HKS) - tritt bereits vor dem sechsten Lebensjahr auf und ist durch wesentliche Merkmale gekennzeichnet: Die Kinder sind wenig aufmerksam, leicht abzulenken, extrem unruhig und ständig in Bewegung. Außerdem fehlt ihnen die Impulskontrolle; sie können ihr Verhalten nicht steuern.Erschwerend kommt hinzu, dass über 80 Prozent der jungen ADHS-Patienten weitere Beeinträchtigungen wie Aggressivität, schulische Leistungsprobleme, depressive Verstimmungen oder Angststörungen haben. Die Ursachen von ADHS sind erst teilweise bekannt. Als gesichert gilt, dass neurobiologische Abläufe im Gehirn gestört sind. Auch die Gene spielen eine Rolle, wie die DGKJP betont: Sind Vater oder Mutter hyperaktiv, ist oft auch das Kind entsprechend veranlagt. Die Erziehung dieser Kinder stellt hohe Anforderungen an die Eltern. Erziehungsfehler, die häufiger auftreten, können zur Verschlimmerung der Problematik beitragen. |