Die Kunst des Zweifelns. Anleitung zum skeptischen Denken.
Andreas Urs Sommer
|
Rezension von Roland Hartig
"Die Kunst des Zweifelns - Anleitung zum skeptischen Denken" von Andreas Urs Sommer versucht Denkarbeit ins philosophische Licht zu rücken. Wer neue Freiräume zum Urteilen und Handeln sucht, oder Tacheles ohne Mätzchen reden will, wird den historischen Abriss zu "Formen und Phasen skeptischen Philosophierens" buchstäblich verschlingen.
Der Autor setzt sich konkret mit dem Zweifel und der Verunsicherung, der Gewissheit und der Sicherheit auseinander. Er stößt nicht ins Horn: "Zweifel lähmt das Handeln und macht krank." Nein: "Alle Gewissheit läßt sich in Zweifel ummünzen." Letztendlich: "Ohne Zweifel - mag er noch so trival und interessengeleitet sein - ist keine Kritik möglich." Praktisch müssen sich Zweifel artikulieren: "Aus dem Meer des Nichtwissens auftauchen." Im Prinzip nichts Neues. Doch das bleibt heute allzu oft außen vor, leben wir doch in einer "gefühlten" Herrschaftswelt der Blender, Kreidefresser, Bestechlichen, Tauchgänger und Duckmäuser. Da kommt die vom Philosophen Sommer geschaffene "kleine skeptische Kasuistik" wie gerufen - "als Kampfansage gegen falsche Gewissheit, falsches Bewußtsein".
Schließlich führen seine 33 Lektionen über Alltägliches wie Geld und Reisen, Politik und Religion, Gesundheit und Tod, Bekannte und Liebe, Macht und Institutionen in die Kunst des Zweifelns ein. Am Ende jedes Kapitels wird der Leser eingeladen, in einer "Übung" den Zweifel einzuüben. - "Ein notwendiges Gegengift gegen die falschen Sicherheits- und Glücksversprechen, denen wir täglich ausgesetzt sind", heißt es pointiert am Schluss. Dazu ein Beispiel: Nach Sommers Ansicht liegt der Definition der WHO, wonach Gesundheit der "Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheiten und Gebrechen" sei, die Verwechslung der Begriffe Glück und Gesundheit zugrunde.
Die "Kunst des Zweifelns" - eine bemerkenswerte und hilfreiche "Quer-Denker"-Fibel gegen Gedankenlosigkeit und Unwissen. Anregend zu lesen, nicht nur für Kopfarbeiter!
Autor: Andreas Urs Sommer ist Privatdozent für Philosophie mit besonderer Berücksichtigung der Philosophiegeschichte, an der Universität Greifswald. Einem größeren Publikum wurde er mit dem Buch "Die Kunst, selber zu denken" (2002) bekannt.
"Die Kunst des Zweifelns. Anleitung zum skeptischen Denken."
Andreas Urs Sommer, 160 S., Beck-Verlag, 1. Auflage 2005
ISBN: 3406528384. Internet: http://rsw.beck.de |